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Rückblicke | Peter Messer begleitete das Badezentrum seit der Eröffnung als Lehrling bis zu seiner Tätigkeit als Betriebsleiter

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In der Rubrik “Rückblicke” präsentieren wir Porträts von Mitarbeitern und Menschen, die eine besondere persönliche Verbindung zum Badezentrum Sindelfingen haben. Peter Messer begleitete das Badezentrum seit der Eröffnung als Lehrling und war bis 2020 als Betriebsleiter tätig.

Der Mann der ersten Stunde
Nicht einmal der Albatros persönlich kam an Peter Messer vorbei. Als Michael Groß bei den Deutschen Meisterschaften Mitte der 80er Jahre zum Ausschwimmen ins Sindelfinger Freibadbecken stieg, verdunkelte sich der Himmel und die Miene des Manns am Beckenrand. Der Weltstar murrte, hatte aber keine Wahl und musste raus aus dem Becken. Geschichten wie diese hat der heutige Betriebsleiter reichlich zu erzählen. Kein Wunder – Peter Messer ist unterm Hallendach der Mann der ersten Stunde. Auf das Schlachtbeil hatte Peter Messer keine Lust. Dabei hätte er es vergleichsweise einfach haben können. Seinem Vater Rolf gehörte die gleichnamige Metzgerei in Weil der Stadt. In dessen Fußspuren wollte der 17-Jährige nach der mittleren Reife aber nicht treten.
Trotzdem hielt ihm der Vater die Steigbügel und half seinem Jungen in den beruflichen Sattel. Als Stammgast in der Klostergarten-Sauna schwitzte er samstags neben Walter Keitel. Dieser war Bäderleiter in Sindelfingen und suchte einen Lehrling. „Mein Vater hat mir das erzählt. Ich hab gleich Bücher gewälzt und nachgelesen, was so ein Schwimmmeistergehilfe alles macht“, erinnert sich Peter Messer zurück. Dann ging es schnell. Peter Messer schnappte zu, unterschrieb den Lehrvertrag und gehörte so als 17-Jähriger zur ersten Mannschaft im Sindelfinger Hallenbad.

Schneller als der Keitel erlaubt
Genau genommen war er sogar schneller, als der Keitel erlaubt. Eigentlich sollte nämlich ein Schornsteinfeger den ersten Sprung vom Turm ins nigelnagelneue Becken wagen. Aber das jungfräuliche Wasser lag einfach zu verlockend da. Zack und drin waren die jungen Wilden. „Walter Keitel hat uns ordentlich angefahren“, sagt Peter Messer, „wobei – ehrlich gesagt konnte der einem doch gar nie so richtig böse sein. Ich habe unheimlich gerne unter ihm gearbeitet.“ Es dauerte nicht lange, dann erlebte und prägte der Weil der Städter die ganz großen Sportler- und Massagezeiten in der Hohenzollernstraße. „Damals hatten wir eine florierende Sauna mit 15 Masseuren. Als einer der Saunameister erkrankte, schnupperte ich als Lehrling in die medizinische Abteilung hinein und war relativ schnell infiziert. Ich wusste, das wollte ich machen“, erinnert sich Peter Messer gerne zurück. Die Arbeit mit den Menschen lag ihm am Herzen, besonders die Fasern und Faszien der Sportphysiotherapie faszinierten. Das Klientel las sich wie die Referenzliste eines Sportfestes: Vor allem die Leichtathletik-Abteilung des VfL Sindelfingen schickte jede Menge große Namen auf Peter Messers Massagebank. Ulrike Sarvari, Jörg Vaihinger, Birgit Wolf oder Andrea Thomas schauten montags nach dem Training regelmäßig vorbei, ließen sich Muskelbündel und Lymphen kneten. Und mit dem Judoka Marc Meiling begab sich sogar ein echter Olympiamedaillen-Gewinner in seine Hände.


Die Spitzensportler: so zäh wie sensibel
„Alles zähe Athleten“, sagt Peter Messer, der aber auch die andere Seite der Spitzensportler kennenlernte: „Die meisten waren unheimlich sensibel, hörten genau in sich hinein und achteten deshalb auch auf alle möglichen Zwischentöne.“ Je höher die sportlichen Latten lagen, desto größer war der Leistungsdruck. Der Masseur als Seelendoktor – kein schiefes Bild: „Mein Antrieb war es, die Sportler fit zu machen oder geschmeidig zu halten. Aber genauso wichtig war es, einfach zuzuhören, wenn der Schuh mal drückt. Es ist eben nicht immer nur der körperliche Schmerz, der Probleme bereitet.“ Das wiederum ist den Sportlern nicht alleine vorbehalten. In Zeiten, in denen die Maichinger Waldsauna der einzige wirkliche Mitbewerber war und die Böblinger Therme, das Fildorado oder die Wellness-Landschaft des Möhringer SI-Zentrums noch nicht einmal auf dem Reißbrett existierten, war die Sauna voll. Männer und Frauen waren damals noch strikt getrennt, die Masseure bespielten die komplette Klaviatur der medizinischen Anwendungen von der Fußreflex- über die Unterwassermassage bis zur Lymphdrainage und verpassten den Gästen und Patienten in der Blütezeit alleine zwischen 80 und 100 Fango-Packungen – „pro Tag!“, sagt Peter Messer. Und dann kam das Kostendämpfungsgesetz. Die Hausärzte schrieben nur noch sechs statt zehn Massagen auf, verschrieben dann kein Fango mehr, keine heiße Rolle, keine Heißluft. Die Zeiten haben sich geändert, 2001 kam der Umbau und heute ist die Sauna samt Massage weitgehend in privater Hand.


Wahre Liebe rostet nicht – auch nicht am Wasser
Zeiten ändern sich, auch Peter Messer verändert sich, wurde nach verkürzter Lehre und bereits nach zwei Jahren Schwimmmeistergehilfe, packte nach dem Wehrdienst als Fallschirmjäger doch noch die Fleischerlehre drauf und kehrte nach einem Zwischenstopp im Metzgersladen im Breuningerland zurück auf seinen Weg. Auf der Massageschule in Ulm drückte er die Schulbank und wieder fremde Muskeln, ging für den praktischen Teil zuerst ins Sindelfinger Krankenhaus und dann zurück ins Badezentrum. Wahre Liebe rostet nicht, auch wenn reichlich Wasser im Spiel ist. Unter dem damaligen Sportamtsleiter Rudi Felger wurde er zum letzten Masseur, der oben im Bad einen Festvertrag unterschreibt. Die Karriere-Leiter ging es schnell nach oben bis zum Betriebsleiter. Die dafür erforderliche Meisterschule bestand er im Schnelldurchlauf, hatte beim Crashkurs in Duisburg in drei Monaten nur einen einzigen Tag frei und wusste hinterher umso besser, „was für unglaublich tolle Verhältnisse wir in Sindelfingen haben“. Ein paar Jahre lang war er Chef im Maichinger Bad, das ihm ans Herz wuchs und er schätzt – auch seitdem er zurück in der Hohenzollernstraße ist – nach all den Jahren heute noch immer seinen Job. Von der Kasse bis zur Aufsicht sind es im Winter 35 und im Sommer 50 Mitarbeiter, die seine Mannschaft bilden. Jeden Tag läuft Peter Messer durch den Betrieb und bezeichnet sich „als Mädchen für alles“ und kümmert sich um Personalprobleme, gibt Meldungen zu kaputten Lampen oder kalten Duschen weiter, koordiniert Badefrauen und Saunameister, Technik, Verwaltung oder Aufsicht. Manchmal fallen dem heute 56-Jährigen Anekdoten wie die von Michael Groß oder den jungen Wilden ein, die vor dem Schornsteinfeger im Sindelfinger Wasser waren. Dann lacht das Herz des Manns der ersten Stunde.


Jürgen Wegner – SZBZ